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Wie du euer Training mithilfe der klassischen Konditionierung noch effizienter machst!

Du rufst Deinen Hund und er kommt sofort zu Dir gerannt – traumhaft! … oder vielleicht doch möglich? Das Wunderwerkzeug heißt klassische Konditionierung. Was das ist und wie Du es sinnvoll in dein Training einbauen kannst, erfährst Du in diesem Beitrag.

Was ist klassische Konditionierung?

Fast jeder hat es im Zusammenhang mit dem Hundetraining schon einmal gehört. Klassische Konditionierung wurde durch Iwan Pawlow und seinem Pawlowschen Hund berühmt. Pawlow beobachtete, dass Hunde beim Anblick von Futter mit dem natürlichen Reflex der Speichelbildung reagieren. In seinem Versuchsaufbau verwendete er einen Klingelreiz. Direkt nach dem Klingeln gab er den Hunden Futter. Diesen Ablauf wiederholte er einige Male und fand heraus, dass das Klingelzeichen an sich schon zur Speichelbildung führte, noch bevor ihnen das Futter präsentiert wurde.

Quelle: https://www.uni-due.de/~gvo000/entwuerfe/thomasr/Konditionierung/klassische_konditionierung.htm (Stand: 12/2021)

Dieses Verknüpfungslernen wird als klassische Konditionierung bezeichnet. Aber was genau passiert dabei?

Bei der klassischen Konditionierung werden zwei für den Hund unbekannte Reize direkt hintereinander präsentiert. Dabei löst der zweite Reiz eine automatisierte Reaktion aus. Nach einigen Wiederholungen wird der erste Sinnesreiz zur Ankündigung für den zweiten Reiz. Im Endeffekt reagiert der Hund bald auf den ersten Reiz genauso, wie auf den zweiten.

Das klingt sehr kompliziert, aber durch die folgenden zwei Beispiele wird es etwas klarer:

Ich hole das Hundegeschirr aus dem Schrank. An dem Hundegeschirr sind Marken befestigt, sodass es beim Herausholen und beim Anziehen ein klapperndes Geräusch macht. Ich ziehe meinem Hund Emma das Hundegeschirr an. Direkt danach gehe ich mit Emma eine Runde spazieren. Emma liebt Spaziergänge. Nach einigen Wiederholungen hat Emma das Klappergeräusch des Geschirrs mit dem Spaziergang verknüpft und freut sich, dass es losgeht, noch bevor die Tür zur Gassirunde geöffnet wird. Hier hat eine klassische Konditionierung stattgefunden: der zuvor neutrale Reiz – Klappergeräusch des Geschirrs – wurde mit dem Reiz der Freude auf den Spaziergang verknüpft. Jedesmal, wenn ich nun das Geschirr heraushole kommt Emma angerannt, voller Freude auf den Spaziergang. Klassische Konditionierung mit einer positiven, emotionalen Verknüpfung.

Ich hole das Hundegeschirr aus dem Schrank. An dem Hundegeschirr sind ebenfalls Marken befestigt, sodass es das gleiche klappernde Geräusch macht. Ich ziehe meinem zweiten Hund Yva das Hundegeschirr an. Direkt danach gehe ich mit Yva eine Runde spazieren. Yva geht nicht gerne raus und Spaziergänge mag sie eher ungern. Nach einigen Widerholungen hat Yva das Klappergeräusch des Geschirrs mit dem Spaziergang verknüpft und versteckt sich im Bett oder auf dem Sofa. Sie legt ihre Ohren an, rollt sich zusammen und versucht sich „unsichtbar“ zu machen. Auch hier hat eine klassische Konditionierung stattgefunden: der zuvor neutrale Reiz – Klappergeräusch des Geschirrs – wurde mit dem Reiz der Unlust auf den Spaziergang verknüpft. Jedesmal, wenn ich nun das Geschirr raushole, versteckt sich Yva. Klassische Konditionierung mit einer negativen, emotionalen Verknüpfung.

Klassische Konditionierung erfolgt automatisch und unbewusst!

Weder Yva noch Emma haben sich aktiv dazu entschieden, sich zu freuen oder unglücklich zu sein. Die Reaktion auf das Geschirrgeklapper passiert unbewusst. Das verknüpfte Gefühl passiert einfach. Klassische Konditionierung passiert auch nicht nur bei Tieren – auch wir erleben sie tagtäglich. Nehmen wir mal das Beispiel kochen. Wenn wir richtig Hunger haben und beginnen uns eine leckere Speise zuzubereiten, beginnt es bereits: uns läuft das Wasser im Munde zusammen. Das ist eine automatische Reaktion, zu der wir uns nicht entscheiden müssen. Bei vielen reicht dann mitunter schon die Vorstellung der Mahlzeit, damit uns das Wasser im Munde zusammenläuft. Zwar passiert klassische Konditionierung ganz ohne Training auch unbewusst im Alltag, aber wir können uns das Wissen um dieses Verknüpfungslernen gezielt in unser Training zunutze machen.

Klassische Konditionierung im Hundetraining

Ein wichtiges Trainingswerkzeug, was sicher schon viele im Kontext mit Hundetraining gehört haben, ist das Clicker- oder auch Markertraining.

Profi Finger-Clicker in 7 Farben mit Silikon-Fingerschlaufe
https://www.hundeschulen.com/Training/Clicker-Armbaender/Clicker/Profi-Finger-Clicker-in-7-Farben-mit-Silikon-Fingerschlaufe.html

Der Clicker ist meist mit einem Knopf versehen, der beim Drücken ein metallisches „Klick“-Geräusch ausgibt.

Dieses Klickgeräusch wird mit einer Belohnung verknüpft. Wie genau dieses Klickgeräusch mit der Belohnung verknüpft werden kann, könnt ihr am Ende des Beitrages erfahren. Dort habe ich einen kostenlosen Trainingsplan für euch zum Download bereitgestellt.

Nach der Konditionierung von Clicker und Futter reagiert der Hund bereits mit freudiger Erwartung und Spieichelfluss auf das Clickgeräusch, weil er verknüpft hat: Nach dem Click kommt das Futter! Auch hier muss der Hund nicht darüber nachdenken, sondern es wurde in seinem Unterbewusstsein durch die erfolgte Konditionierung miteinander verknüpft.

Aber warum überhaupt ein Clicker vorwegschalten? Kann ich meinen Hund nicht einfach direkt belohnen?

Das ist ein guter Einwand. Nehmen wir an, wir trainieren mit dem Hund gerade den Rückruf. Ihr habt Zuhause geübt. Du hältst ein paar Leckerchen in der Hand. Der Hund entfernt sich, du rufst ihn, er kommt sofort zu dir und bekommt sofort eine Belohnung aus deiner Hand. Super! Mit ausreichender Wiederholung verknüpft er nun im Besten Fall: Zu meiner Besitzerin kommen = Belohnung.

Nun möchtest du mit ihm das Gleiche beim Spaziergang üben.

Es ist Herbst, du hast eine dicke Jacke an, hast das Futter in einem kleinen Futterbeutel in deiner Jackentasche. In der einen Hand hältst du dann noch die Leine deines Vierbeiners. Dein Hund läuft frei. Auf einmal taucht vor euch eine Kindergruppe auf. Du rufst deinen Hund und er kommt sofort zu dir zurück in der Erwartung jetzt sofort ein Leckerchen zu bekommen. Du weißt: Zurückkommen und Belohnung müssen zeitlich eng beieinanderliegen. Im besten Fall nicht mehr als 2 Sekunden. Nun musst du aber erst den Schirm in die andere Hand nehmen, den Futterbeutel suchen, den Futterbeutel öffnen und nach einem Leckerchen fischen. Das sind schon locker 5 Sekunden. In der Zeit hat dein Hund schon keine direkte Verknüpfung mehr zwischen Verhalten und Belohnung, schaut sich eventuell um, läuft zur Kindergruppe, weil er das nun viel spannender findet, als bei dir zu warten.

Dieser missglückte Rückruf wirft euch in dem Training leider wieder einen Schritt zurück.

Um das zu vermeiden, hilft hier der Clicker. Der Clicker dient in erster Linie uns Menschen als Zeitbrücke. Wenn wir den Clicker konditioniert haben und ihn nun in der einen Hand halten, können wir sofort, wenn der Hund zu uns gelaufen ist, clickern und vermitteln dem Hund damit schon einmal: „Das hast du gut gemacht! Das war genau richtig. Einen Moment jetzt gleich kommt die Belohnung.“ Dein Hund hat also den Clicker schon als Belohnungsankündigung und weiß, dass jetzt gleich der Keks kommt. Es ist also mehr ein Hilfsmittel für uns, damit unser Training effizienter ist. Und der Clicker ist nur eine Möglichkeit. Du kannst deinen Hund auch auf ein Wort konditionieren. Statt der Verbindung Klickgeräusch und Futter, kannst du auch bspw. das Wort „Klick“, „Top“, „Keks“ oder „Piep“ mit Futter verknüpfen. Das Wort sollte nur möglichst kurz und prägnant sein.

Wie genau das funktioniert, kannst du ebenfalls im kostenlosen Trainingsplan am Ende es Beitrages erfahren.

Nun möchte ich zum Ende noch auf einen Punkt zu sprechen kommen. Dieser Punkt beschreibt eine große Fehlerquelle:

die inhibitorische (hemmende) Konditionierung

Ich nutze in meinem Training zuverlässig den Clicker. Yva hat verknüpft: Clicker = Belohnung. Immer wenn Yva etwas gut macht, klicke ich und Yva erhält eine Belohnung. Nun übe ich mit meinem zweiten Hund Emma und dem gleichen Clicker. Yva ist im gleichen Raum, wie Emma und ich. Emma führt ein Signal gut aus und ich belohne sie, indem ich erst klicker und ihr dann einen Keks gebe. Soweit so gut für Emma! Was passiert aber zeitgleich bei Yva?

Yva hört das Klickgeräusch, erhält aber keine Belohnung, da ich ja das gute Verhalten von Emma geklickt habe. Das ist für Yva aber unverständlich, denn für sie reicht das Klickgeräusch aus, um in die Erwartungshaltung zu kommen, dass es jetzt eine Belohnung für sie gibt. Die kommt aber nicht. Yva erfährt also, dass das Klickgeräusch doch kein Futter für sie ankündigt. Somit wird die Verknüpfung immer unzuverlässiger und löst sich schließlich auf.

Das gilt es zu vermeiden, z.B. durch:

  • Training einzeln, nicht im gleichen Raum
  • zwei unterschiedliche Markerworte / Geräusche
  • beide werden gleichzeitig belohnt: Emma für das gut ausgeführte Signal, Yva für das ruhige Warten

Nun fassen wir noch das Wichtigste zusammen.

Fazit

  • Klassische Konditionierung passiert unbewusst. Ein neutraler Reiz wird mit einem anderen Reiz emotional belegt.
  • Diese Reiz-Reiz-Verknüpfungen passieren tagtäglich
  • Dieser unbewusst ablaufende Prozess kann gewinnbringend im Training eingesetzt werden, wie bspw. im Clickertraining.
  • Klassische Konditionierung funktioniert immer, wenn man die Konditionierungsregeln beachtet (siehe Trainingsplan).
  • Klassische Konditionierung ist schnell aufgebaut und kann direkt im Training eingesetzt werden.

Über den folgenden Button gelangt ihr zu eurem kostenlosen Clicker-Trainingsplan.

Wie siehst du das?

Nutzt Du selber den Clicker in Eurem Training? Welche Erfahrungen hast Du dabei gesammelt?

Sollten noch Fragen zu dem Thema offen sein, kannst Du diese in den Kommentaren gerne stellen. Ich werde sie so gut wie möglich beantworten.

Liebe Grüße,

Natascha Schmitz

Quellenangaben:

Sabine Winkler, Lernen, Motivation und Ausbildungsmethoden beim Hund, Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN)

Detlef Bonnemann und Thomas Rickal, Einführung in die klassische Konditionierung, https://www.uni-due.de/~gvo000/entwuerfe/thomasr/Konditionierung/klassische_konditionierung.htm (Stand 12/2021)

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